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Wochensprüche

„So fühl‘ ich erst mein Sein“

Der Spruch des Seelenkalenders für die zwanzigste Woche im Jahr 2021/ 2022 (15. – 21. August 2021) mit Gegenspruch und Spiegelsprüchen

T. Zwanzigste Woche (18. August – 24. August[1912]).

20.
So fühl‘ ich erst mein Sein;
Das fern vom Welten Dasein
In sich, sich selbst erlöschen
Und bauend nur auf eignem Grunde
An sich sich selbst ertöten müsste.

G‘. Dreiunddreissigste Woche (17. Nov. – 23. Nov.[1912])

33.
So fühl‘ ich erst die Welt
Die ausser meiner Seele Miterleben
An sich nur frostig leeres Leben
Und ohne Macht sich offenbarend
In Seelen sich vom neuen schaffend
In sich den Tod nur finden könnte.

Spiegelspruch zu Spruch 20

G. SIEBENTE WOCHE (19. MAI – 28. MAI [1912]).

7.
Mein Selbst, es drohet zu entfliehen,
Vom Weltenlichte mächtig angezogen;
Nun trete du mein Ahnen
In deine Rechte kräftig ein,
Ersetze mir des Denkens Macht,
Das in der Sinne Schein
Sich selbst verlieren will.

Spiegelspruch zu Spruch 46

U‘. SECHSUNDVIERZIGSTE WOCHE (16. FEBR. – 22. FEBR. [1913])

46.
Die Welt, sie drohet zu betäuben
Der Seele eingeborne Kraft;
Nun trete du, Erinnerung,
Aus Geistestiefen leuchtend auf
Und stärke mir das Schauen,
Das nur durch Willenskräfte
Sich selbst erhalten kann.

Gegenspruch zu Spruch 20

In der Handschrift Rudolf Steiners trug der Spruch den Buchstaben U‘; in der Ausgabe 1925 war dem Spruch der Buchstabe T‘ beigegeben


  • Auf folgende Besonderheiten der Wiedergabe der Sprüche 20 und 33 soll hier ausdrücklich hingewiesen werden. Der Leser kann selbst entscheiden, welcher Fassung er den Vorzug geben möchte:

    Spruch 33 ist hier insgesamt so wiedergegeben, wie er in der Handschrift 1912/13 (Literaturnachweis siehe hier) aufgezeichnet ist. Dort steht in der fünften Zeile: „In Seelen sich vom neuen schaffend“, während die Stelle in den gängigen Seelenkalender-Ausgaben „von neuem“ lautet. Eine Begründung für diese Veränderung wurde dort nicht angegeben. Daher wird hier dem Original der Vorzug gegeben. Die hier besprochene Seelenkalender-Ausgabe folgt ebenfalls dem Original.

    Die letzte Zeile von Spruch 20 lautet in den gängigen Seelenkalender-Ausgaben:

    „In sich, sich selbst ertöten müßte.“

    In der Handschrift heißt es aber unzweifelhaft:

    „An sich sich selbst ertöten müsste.“

    Es ist nachvollziehbar, dass hier wohl ein Gleichklang zur letzten Zeile des Spiegelspruchs (Spruch 33: „In sich den Tod nur finden könnte.“) hergestellt werden soll. Allerdings ist die grammatikalische Struktur dieser beiden Sätze auch im Übrigen nicht gleich.

    Hier wird, ebenso wie in der hier genannten Ausgabe, der Satz insgesamt so belassen, wie in der Handschrift.

    Das Komma in der dritten Zeile in Spruch 20 gibt es im Original nicht. Es wurde hier aus Lesbarkeitsgründen, den gängigen Seelenkalender-Ausgaben folgend, eingefügt.
  • Die erste Zeile von Spruch 7 weist in der Handschrift 1912/13 kein Satzzeichen auf; im Original also: „Mein Selbst es drohet zu entfliehen“. Das Komma wurde hier aus Lesbarkeitsgründen, den gängigen Seelenkalender-Ausgaben folgend, eingefügt.
  • Die Semikolons am Ende der zweiten Zeile von Spruch 46 und am Ende der ersten Zeile von Spruch 20 finden sich auch in der Handschrift 1912/13.
  • Abgesehen von den aufgezählten Besonderheiten weisen die hier zitierten Sprüche ansonsten in der Handschrift lediglich einen Punkt am Ende der letzten Zeile auf. (Zur Zeichensetzung im Seelenkalender siehe diesen Beitrag.)

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